lifestyle
Zürich bewahrt analoge Kultur, während andere Metropolen auf digitale Einheitlichkeit setzen
Während andere Weltstädte ihr lokales Gepräge gegen austauschbare digitale Abbilder eintauschen, setzt Zürich auf Bewahrung als Fundament seiner Zukunft.
Anhören auf Deutsch · 4 Min.
Wie wir berichtet haben

Die Stadtplanung Zürich hat offiziell Schritte unternommen, um den Einsatz KI-generierter synthetischer Bilder in städtischen Marketingmaterialien einzuschränken. Der Stadtrat gab diese Entscheidung am 2. Juli 2026 bekannt. Die neue Regelung schreibt ausdrücklich vor, dass sämtliche Fotografien, die den Lebensstil und die Architektur der Stadt repräsentieren, reale und dokumentierte Orte zeigen müssen, die einzigartige, greifbare Geschichte der Stadt hat Vorrang vor digitalen Konstrukten.
Dieser Schritt erfolgt in dem Moment, in dem Zürich versucht, sich vom nivellierenden Effekt globaler Stadtästhetik abzuheben. In vielen internationalen Zentren hat KI-generiertes Bildmaterial begonnen, klassische Fotografie zu verdrängen und eine vereinheitlichte Bildsprache zu schaffen, die lokale Eigenheiten ignoriert. Indem die Stadt auf solche KI-Ersetzungen verzichtet, bekennt sich die Stadtregierung klar zur spezifischen, bisweilen auch rauen, Wirklichkeit ihrer Strassen und Quartiere.
Das Gewicht lokaler Identität
Wer als Anwohnerin oder Anwohner vom Rennweg zum Lindenhof spaziert, spürt den Unterschied unmittelbar. Das Mauerwerk der mittelalterlichen Fundamente auf dem Lindenhof und die handwerklichen Ladenschilder an der Augustinergasse sind materielle Zeugnisse des Zürcher Erbes. Sie durch idealisierte, rein digitale Platzhalterbilder zu ersetzen, wie es in technologieaffinen Metropolen wie Dubai oder Singapur gängige Praxis ist, würde die Glaubwürdigkeit der Stadt untergraben. Lokale Organisationen wie der Zürcher Heimatschutz vertreten seit Langem die Auffassung, dass die Stärke der Stadt in ihrer Bewahrung liegt und nicht in der gesäuberten Simulation ihres Erscheinungsbildes.
Daten des Bundesamts für Statistik vom 15. Juni 2026 zeigen, dass der Tourismus in Zürich im Jahresvergleich um 4,2 Prozent gewachsen ist, wobei Besucherinnen und Besucher «Authentizität» und «geografische Lesbarkeit» als zentrale Reisemotive nannten. Die Kosten für dieses Bekenntnis sind nicht unerheblich: Das städtische Jahresbudget für Fotografie und Denkmaldokumentation beläuft sich auf rund 1,8 Millionen Schweizer Franken. Diese Investition stellt sicher, dass die Bestände des Baugeschichtlichen Archivs der Stadt Zürich die massgebliche Quelle für jegliches nach aussen gerichtetes Bildmaterial bleiben und eine Abdrift hin zu generischen Stockinhalten verhindert wird.
Blick in die Zukunft am Seeufer
Die Haltung der Stadt in Bezug auf Bildmaterial ist Teil einer umfassenderen Initiative namens «Analog-First», die darauf abzielt, die Integrität des öffentlichen Diskurses zu wahren. Je ausgefeilter digitale Werkzeuge werden, desto mehr droht die Gefahr, das projizierte Bild einer Stadt mit ihrer physischen Realität zu verwechseln, ein Problem von erheblicher Bedeutung für die langfristige Stadtplanung. Durch die Pflicht zur Verwendung verifizierter Fotodokumente verhindert die Verwaltung die Entstehung «halluzinierter» Stadträume, die weder mit tatsächlichen Linienplänen noch mit geltenden Bauvorschriften übereinstimmen.
Anwohnerinnen, Anwohner und Gewerbetreibende, die an den bevorstehenden Herbst-Marketingkampagnen teilnehmen möchten, werden gebeten, sich an das Präsidialdepartement zu wenden und die aktuelle Liste der freigegebenen Archivbilder anzufordern. Künftig beabsichtigt die Stadt, diese Bildrichtlinien in die Bau- und Zonenordnung zu integrieren, sodass auch private Bauträger die authentischen Quartierscharakter nicht durch generierte, nicht existierende Fassadengestaltungen in ihren öffentlichen Präsentationen ersetzen können. Wer ein Projekt im Kreis 1 oder 4 plant, muss bei der Baubewilligung mit einer strengeren Prüfung der visuellen Unterlagen rechnen.